Was tun bei Harnverhalt?

Unsere Reihe Urologische Notfälle behandelt akute Erkrankungen oder Verletzungen der harnbildenden und -ableitenden Organe. Wir stellen Ihnen in dieser Beitragsreihe verschiedene Notfälle vor, erklären deren Entstehung, was Sie tun können und wann Sie ins Krankenhaus müssen. Wir beginnen mit dem Harnverhalt.

Was ist ein Harnverhalt?

Als einen Harnverhalt (Ischurie) bezeichnet man eine Blockade der Harnwege. Der Betroffene kann den Urin, das sich in der Blase sammelt, nicht mehr ablasen. Die Ursachen für einen Harnverhalt können unterschiedlicher Natur sein. Beispielsweise können mechanische Ursachen, wie eine Prostatavergrößerung oder eine Gebärmuttersenkung die Harnleiter blockieren, indem sie auf die Harnleiter Druck ausüben. Eine Ischurie kann ebenfalls durch neurologische Erkrankungen hervorgerufen werden. Hierzu zählen Multiple Sklerose oder auch eine Diabetische Polyneuropathie. Bestimmte Medikamente oder psychische Ursachen können ebenfalls einen Harnverhalt auslösen. Männer und Frauen können gleichermaßen betroffen sein. Man unterscheidet zwischen einem akuten und einem chronischem Harnverhalt.

Ischurie Symptome

Der akute Harnverhalt ist ein medizinischer Notfall und bedarf sofortiger Behandlung, denn Betroffene können kein Wasser mehr lassen. Dadurch droht die Blase zu reißen. Meist macht sich die Ischurie durch ein unangenehmes Druckgefühl im Unterbrauch bemerkbar. Wenn sich die Blase weiter füllt und ausdehnt, setzen starke Schmerzen ein. In manchen Fällen kann der Unterleib sogar sichtbar anschwellen. Die Betroffenen leiden oft unter starken Schmerzen im Unterbauch.

Bei einem chronischen Harnverhalt können Betroffene zwar noch Wasser lassen, dies jedoch nur noch eingeschränkt. Der Harndrang ist dann häufiger, ohne dass Betroffene dabei viel Wasser lassen können. Auch nach dem Toilettengang kann Harndrang empfunden werden. Eine chronische Ischurie löst in der Regel keine Schmerzen aus, kann jedoch Nierenschäden verursachen, da sich der Urin bis in das Nierenbecken zurückstauen kann. Beide Arten des Harnverhaltes müssen dringend ärztlich behandelt werden.

Wann ins Krankenhaus?

Ein akuter Harnverhalt ist ein dringender medizinischer Notfall! Verständigen Sie unverzüglich den Rettungsdienst (Rufnummer 112). Sie können Betroffenen etwas Linderung verschaffen, wenn Sie sie dabei unterstützen, eine schonende, komfortable Position einzunehmen. Wenn es der Erkrankte toleriert, lagern Sie ihn flach auf dem Boden und winkeln Sie seine Knie an. Das entlastet die Bauchdecke. Bleiben Sie unbedingt bei der betroffenen Person und versuchen Sie sie zu beruhigen. Im Krankenhaus wird in der Regel der Urin durch einen Blasenkatheter abgeführt und dadurch ein Blasenriss verhindert.

Erste Hilfe beim chronischem Harnverhalt

Bei den ersten Anzeichen eines chronischen Harnverhalts sollten Sie einen Urologen aufsuchen. Das gilt auch, wenn Sie Schmerzen beim Wasserlassen erfahren, inkontinent sind oder Blut im Urin beobachten. Wichtig: Auch, wenn die chronische Ischurie kein medizinischer Notfall ist, sollten Sie immer umgehend einen Arzt aufsuchen! Sollten Sie bei sich die Symptome eines chronischen Harnverhalts beobachten, können Sie Ihre Beschwerden lindern, indem Sie keine entwässernden Getränke zu sich nehmen. Kaffee, Cola und Co. fördern nur Ihren Harndrang. Sie können ebenfalls versuchen, Strategien gegen den häufigen Harndrang zu entwickeln. Beispielsweise, indem Sie sich sitzend vornüberbeugen, bis der Harndrang nachlässt. Ein Blasentraining kann auch von Vorteil sein. Frauen, die aufgrund einer Schwangerschaft an einem chronischem Harnverhalt leiden, können versuchen, mit einem Entspannungsbad ihre Blasenmuskulatur zu beruhigen.

Wie wird ein Harnverhalt behandelt?

Bevor eine Ischurie behandelt wird, muss erst die Ursache für die akute Blockade oder die chronische Verengung der Harnwege gefunden werden. Nach einer Anamnese – einer Erhebung der Krankengeschichte – folgt eine genaue körperliche Untersuchung. Bei Männern ist eine digitale-rektale Untersuchung, bei der die Prostata abgetastet wird, unvermeidbar. Urin- und Blutuntersuchungen können im weiteren Verlauf Aufschluss über die Ursache des Harnverhalts geben. Für eine rasche Diagnose wird in der Regel ein Ultraschall durchgeführt. Weitere, bildgebende Verfahren, wie beispielsweise eine Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) können die ursächliche Abklärung unterstützen. Das Gleiche gilt für eine Blasenspiegelung. Die Behandlung des Harnverhalts erfolgt dann in Abhängigkeit der Ursache.

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