Hodenschmerzen: Wann ein Notfall?

Unsere Reihe Urologische Notfälle behandelt akute Erkrankungen oder Verletzungen der harnbildenden und -ableitenden Organe. Wir stellen Ihnen in dieser Beitragsreihe verschiedene Notfälle vor, erklären deren Entstehung, was Sie tun können und wann Sie ins Krankenhaus oder zum Arzt müssen. In diesem Beitrag widmen wir Hodenschmerzen.

Warum sind Hoden so schmerzempfindlich?

Die Hoden sind eines der empfindlichsten Organe des Mannes. Wohl kein anderes Organ ist schmerzempfindlicher als der Hoden (Testis). Tatsächlich genügt in manchen Fällen bereits die Vorstellung an einen plötzlichen, gewaltsamen Kontakt beim Sport oder anderswo, dass es Mann kalt den Rücken herunterläuft. Dass der Hoden eine besonders sensibles und dadurch schmerzempfindliches Organ ist, hängt auch mit seiner Funktion in der Reproduktion zusammen. Geschlechtsorgane sind biologisch wichtig und anatomisch besonders entwickelt. So befinden sich beispielsweise in den Hoden zahlreiche Nerven und Muskeln. Dieser Umstand macht die paarweise angelegten Geschlechtsorgane zu einer hoch erogenen Zone beim Geschlechtsverkehr, aber auch zu einem sehr schmerzempfindlichen Organ.

Ursachen für Hodenschmerzen

Die meisten Männer erfahren in ihrem Leben Schmerzen im Hoden. In manchen Fällen sind Hodenschmerzen unbedenklich. Beispielsweise bei dem Wander- beziehungsweise dem Pendelhoden. Hier zieht sich der Hoden bei bestimmt Reizen in den Leistenkanal. Ein Pendelhoden ist – insofern er nach dem Empfinden des Reizes wieder zurück in den Hodensack wandert – nicht behandlungsbedürftig, aber kann vorübergehende Schmerzen oder Ziehen im Hoden verursachen. Ebenfalls können Schmerzen, die aus einem Harnverhalt oder einer Nierenkolik resultieren, in den Hodensack strahlen. Wenn keine äußeren Einwirkungen geschehen sind, sich der Hodenschmerz nur mit leichter Intensität oder einem Ziehen bemerkbar macht, liegt in der Regel kein Notfall vor. Eine urologische Abklärung macht dann Sinn, wenn der Schmerz nicht von allein weggeht. Anhaltende oder starke Schmerzen oder eine traumatische Einwirkung aufgrund eines Unfalls sollten immer ärztlich abgeklärt werden. In den folgenden Fällen sollten Sie das dringlichst tun.

Hodentorsion

Eine Hodentorsion entsteht ohne äußere Einwirkungen und ist sehr schmerzhaft. Bei einer Hodentorsion verdreht sich entweder der Hoden oder der Nebenhoden am Samenstrang um seine Längsachse. Dadurch ist eine ausreichende Durchblutung des Hodens nicht mehr sichergestellt. Die Torsion äußert sich durch einen plötzlich auftretenden, starken Schmerz, der sich auch auf nur auf eine Hodenseite beschränken kann. Durch Schwellungen oder Rötung der Hoden kann sich eine Hodentorsion ebenfalls bemerkbar machen. Berührungen oder andere Reize verstärken die Schmerzen. Eine Hodentorsion ist ein urologischer Notfall, der sofort durch einen Urologen abgeklärt werden muss. In manchen Fällen muss der Hoden durch einen operativen Eingriff wieder in seine richtige Position gebracht werden. Wird eine Hodentorsion nicht zeitnah behandelt, besteht die Gefahr einer dauerhaften und nicht mehr reparablen Schädigung.

Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis)

Wenn Sie Beschwerden oder ein Brennen beim Wasserlassen verspüren, sich Ihr Hoden heiß anfühlt oder rot und geschwollen ist, könnte eine Entzündung der Nebenhoden vorliegen. Meistens wird diese durch Bakterien hervorgerufen und von einem Kontaktschmerz begleitet. Eine Entzündung der Nebenhoden kann übrigens auch durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden. Der Urologe wird nach einer Untersuchung und der Sicherung der Diagnose Antibiotika und bei Bedarf Schmerzmittel zur Linderung der Beschwerden verschreiben.

Entzündung der Hoden (Orchitis)

Eine Hodenentzündung ist seltener als eine Entzündung der Nebenhoden. Zu den Symptomen Epididymitis gesellen sich bei der Orchitis meist Fieber, erhöhter Harndrang sowie Übelkeit hinzu. Sollte die Hodenentzündung über längere Zeit nicht behandelt werden, droht eine Schädigung des Hodengewebes, die im schlimmsten Fall zu einer Unfruchtbarkeit führen kann. Gut zu wissen: Eine Entzündung der Hoden treten in vielen Fällen in Kombination mit einer Entzündung der Nebenhoden auf und werden ebenfalls überwiegend durch Bakterien hervorgerufen. Virale Hodenentzündung sind dagegen meistens Folge einer viralen Mumps Infektion. In diesem Fall beschränkt sich die Therapie auf die Linderung der Beschwerden, da Antibiotika gegen Viren nicht wirken. Eine bakterielle Orchitis wird meistens mit einem Antibiotikum bekämpft.

(Schwere) Hodenprellung

Ein Tritt in die Weichteile beim Sport, ein Unfall oder eine sonstige traumatische Gewalteinwirkung auf die Hoden des Mannes sind schmerzhaft. Medizinisch nennt sich ein solcher Vorgang Hodenprellung. In vielen Fällen ist eine Hodenprellung harmlos und es bildet sich nur ein Bluterguss, der in erster Linie gekühlt werden sollte. Eine körperliche Schonung und Geduld helfen, eine leichte Hodenprellung rascher wieder abklingen zu lassen. Das vollständige Nachlassen aller Beschwerden kann mitunter Wochen dauern.

Doch auch eine Hodenprellung kann ein ernstzunehmender urlogischer Notfall sein. Dann, wenn die Schmerzen nicht abklingen oder sich weitere Symptome äußern. Hierzu können Übelkeit, Schwellungen, Rötungen oder gar Blutungen zählen. Neben einer schwere Hodenprellung kann ein Riss des Hodengewebes vorliegen. Der Riss des Hodengewebes -eine Hodenruptur – muss unverzüglich behandelt werden. Dies geschieht in den meisten Fällen operativ, indem der Riss genäht wird.

Hodenschmerzen: Wann zum Arzt?

Diese Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Ist keine äußere Gewalteinwirkung geschehen und / oder halten sich die Schmerzen im Rahmen, sollten die Beschwerden sorgfältig beobachtet werden. Wenn die Beschwerden jedoch nicht abklingen, sollten Sie einen Urologen aufsuchen. Das gilt ebenfalls und ausdrücklich für die exemplarisch vorgestellten Krankheitsbilder, die Notfälle darstellen und teilweise operativ behandelt werden müssen, um bleibende Schäden zu verhindern. Grundsätzlich sollten Sie immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn Sie sich unsicher sind.

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