Dr. med. Frank Steidle ist Radiologe in der Praxisgemeinschaft für Radiologie und Nuklearmedizin in Heinsberg, mit der wir eine langjährige Kooperation pflegen. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die Schnittbilddiagnostik, das Prostata-MRT und die CT-gesteuerte Schmerztherapie. Er besitzt die höchste Qualitätsstufe Q2 der Prostata-MRT-Bildgebung. Nachdem er uns im ersten Teil unseres Interviews das Prostata-MRT an sich erklärt und den Behandlungsablauf beschrieben hat, gibt er im zweiten Teil Einblicke in wichtige Behandlungsstandards, Probleme, die ein MRT verursachen kann und die Zukunft der bildgebenden Verfahren bei der Diagnose von Prostatatkrebs.
Herr Steidle, was sind PIRADS und das multiparametrische MRT?
„Es gibt das internationale Beurteilungsschema, das sich PIRADS nennt. Das ist in fünf Gruppen eingeteilt: von eins ‚völlig unauffällig‘ bis fünf ‚hochwahrscheinlich bösartig‘. PIRADS setzt hohe Qualitätsstandards für das multiparametrische MRT. Es sagt uns sehr strikt, mit welcher Technik wir untersuchen müssen. Multiparametrisch heißt, in verschiedenen technischen Aspekten zu untersuchen ist. Hierbei handelt es sich nicht um ein ‚normales‘ MRT des Beckens – das würde nicht ausreichen.“
Wie präzise ist ein Prostata-MRT im Vergleich zu einer Biopsie?
„Mit MRT vorab sind wir rund 20 Prozent besser, als wenn wir ‚blind‘ eine Prostatagewebeprobe entnehmen würden. Sicherlich hängt das auch von vielen Faktoren ab, beispielsweise der individuellen Größe der Prostata. Dazu muss man wissen, dass der Prostatakrebs häufig an der Rückseite der Prostata liegt. Aus diesem Grund tasten die meisten Urologen dort, und wenn sie dann dort hineinstechen, hat man eine hohe Trefferquote. Aber ob sie dann die aggressivste Stelle treffen oder ob sie den Tumor treffen, wenn er vorne liegt, ist oft ungewiss. Mit einem MRT sind wir treffsicherer, haben eine frühere Diagnose und den Vorteil, dass, wenn wir nichts sehen, eine Biopsie gegebenenfalls nicht durchgeführt werden muss.“
Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen durch ein MRT?
„Die versuchen wir im Vorfeld auszuschließen. Es gibt aber Fälle, bei denen es gefährlich werden kann – beispielsweise durch Metall im Körper, weil wir ein sehr starkes Magnetfeld haben. Hüftprothesen können in wenigen Fällen schwierig sein, weil wir ein möglichst gleichmäßiges Magnetfeld brauchen. Eine Hüftprothese kann dann starke Bildstörungen hervorrufen. Aber das ist kein Risiko für den Patienten, sondern erschwert uns lediglich die Bildinterpretation.
Und dann spritzen wir natürlich Kontrastmittel. Hier kann es zu Nebenwirkungen kommen – wenn auch sehr selten. In der Regel ist das auf Allergien oder Unverträglichkeiten zurückzuführen. Aber wir haben den Patienten im Blick und sind binnen zwei Sekunden im Raum, sollte es Probleme geben.“
Wohin entwickeln sich die bildgebenden Verfahren hinsichtlich der Diagnose Prostatakrebs?
„Es geht technisch weiter, was die Auflösung der Bilder angeht. Durch eine höhere Auflösung können wir bessere Bilder generieren, die uns die Befundung erleichtern. Natürlich kommt bei uns auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Die KI steckt bei uns in der Rechenmaschine des Kernspins, was die Untersuchungszeiten verkürzt und die Bilder gleichzeitig besser macht. Das ist für den Patienten gut. Früher haben wir eine Dreiviertelstunde gebraucht – heute benötigen wir in der Regel eine halbe Stunde. Das macht es für den Patienten angenehmer. In der Auswertung kommt unterdessen ebenfalls immer häufiger KI zum Einsatz, die einen unterstützt. Die wird den Radiologen aber nicht ersetzen. Denn letztendlich ist die Entscheidung Ja oder Nein eine Abwägungssache, bei der die Erfahrung des Radiologen viel ausmacht. Aber das wird sicherlich in Zukunft viel besser werden.
Dann gibt es andere Untersuchungsmethoden wie die Positronen-Emissions-Tomografie – oder kurz PET. Die wird natürlich auch immer besser. Wahrscheinlich wird es irgendwann eine Kombination aus beiden geben. Aktuell dauert eine PET-Untersuchung noch relativ lange, aber der Vorteil ist, dass man den ganzen Körper untersuchen und gegebenenfalls Metastasen erkennen kann. Das kann das MRT der Prostata so nicht. Ich denke, in Zukunft werden sich beide Methoden ergänzen – insbesondere bei schwierigen Fällen, bei denen wir so nicht weiterkommen.“
Zur Person
Dr. med. Steidle wurde in Düren geboren und ging auch dort zur Schule. Nach Ableistung des Wehrdienstes in Geilenkirchen begann er zunächst ein Studium der Physik in Aachen. Er studierte bis 1995 Humanmedizin in Köln und wechselte dann für das AiP nach Essen, Elisabethkrankenhaus Innere Medizin.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Strahlentherapie in den Kliniken des Märkischen Kreises in Lüdenscheid wechselte er 1998 zur Weiterbildung im Fachgebiet Diagnostische Radiologie in die Kliniken der Stadt Köln, Holweide. 2000 erfolgte der Wechsel in das Institut für Radiologische Diagnostik des Lukaskrankenhauses Neuss. 2002 erfolgte die Anerkennung als Facharzt für Diagnostische Radiologie, und 2003 wurde er zum Oberarzt ernannt.
Seit 2006 ist er in der Praxisgemeinschaft für Radiologie und Nuklearmedizin in Heinsberg niedergelassen. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die Schnittbilddiagnostik, das Prostata-MRT und die CT-gesteuerte Schmerztherapie. Er besitzt die höchste Qualitätsstufe Q2 der Prostata-MRT-Bildgebung und -Befundung mit Kassenzulassung und ist seit 2024 ist er auch zertifizierter Befunder für das Lungenkrebsscreening nach ESTI und seit 2025 Q2 zertifiziert für das Lungenkrebsscreening nach DRG.
Unsere Interviewreihe mit Dr. Steidle
Teil 1: „Der PSA-Wert allein reicht nicht aus“
Teil 2: „Mit einem MRT sind wir treffsicherer“
