„Der PSA-Wert allein reicht nicht aus“

Dr. med. Frank Steidle ist Radiologe in der Praxisgemeinschaft für Radiologie und Nuklearmedizin in Heinsberg, mit der wir eine langjährige Kooperation pflegen. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die Schnittbilddiagnostik, das Prostata-MRT und die CT-gesteuerte Schmerztherapie. Er besitzt die höchste Qualitätsstufe Q2 der Prostata-MRT-Bildgebung und steht uns Rede und Antwort über das Prostata-MRT an sich, warum ein PSA-Wert allein nicht ausreicht und den Ablauf der Untersuchung. Im zweiten Teil gibt er Einblicke in wichtige Behandlungsstandards, Probleme, die ein MRT verursachen kann und die Zukunft der bildgebenden Verfahren.

Herr Steidle, was genau ist ein Prostata-MRT?

„Mit einem Prostata-MRT gehen wir der Frage nach: Hat jemand ein relevantes Prostatakarzinom oder eben nicht? Wir wissen aus den Statistiken, dass viele Männer mit zunehmendem Alter gefährdet sind ein Prostatakarzinom zu bekommen. Man sagt, ab dem 80. Lebensjahr haben, je nach Studie, 30 bis 50 Prozent der Männer ein Prostatakarzinom. Die Besonderheit beim Prostatakarzinom ist, dass die meisten Männer einen sehr langsam wachsenden Krebs bekommen, der nicht aggressiv ist. An dem man zwar nicht stirbt, aber mit dem man stirbt. Sprich: man stirbt an einer anderen schwerwiegenderen Erkrankung.

Unsere Aufgabe besteht im Prinzip darin, die Menschen zu identifizieren, die einen aggressiven Krebs haben – beispielsweise junge Männer – und zu sehen, wo der Tumor in der Prostata liegt, damit die Urologen gezielt eine Biopsie machen können. Und wenn wir im MRT nichts sehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient einen aggressiven Krebs hat, an dem er sterben wird, sehr klein. Das Problem ist, dass der PSA-Wert allein nicht reicht. Denn wenn die Prostata vergrößert oder entzündet ist, geht der PSA-Wert ebenfalls nach oben. Dieser Wert ist also nicht spezifisch für den Krebs.“

Wie hoch ist die Genauigkeit des MRT?

„Wenn wir etwas sehen, liegt unsere Sicherheit bei 80 bis 90 %, insbesondere mit den neuen Geräten. Aber wir kommen eben nicht ohne die Biopsie aus, um eine gesicherte Diagnose zu stellen. Das Zusammenspiel zwischen Radiologe und Urologe muss immer da sein.“

Wie unterscheidet sich ein MRT von anderen bildgebenden Verfahren?

„Das CT ist ein Verfahren, das auf Röntgenstrahlung beruht. Beim MRT haben wir gar keine Strahlenbelastung. Das Kontrastmittel, das wir in den allermeisten Fällen beim MRT verwenden, ist sehr gut verträglich – deutlich besser als das in der Computertomografie. Ein weiterer Vorteil des MRT ist, dass wir durch den unterschiedlichen Wassergehalt der verschiedenen Gewebe diese besser voneinander unterscheiden können und dadurch einen wesentlich höheren Kontrast in den Weichteilen haben. Da kann auch der Ultraschall und die CT nicht mithalten.“

Wie läuft so ein Prostata-MRT bei Ihnen ab?

„Die Patienten liegen bequem auf dem Rücken in der Mitte der Maschine. Die Untersuchung an sich dauert rund eine halbe Stunde. Das Gerät macht dabei z.T. laute Geräusche. Deshalb bekommt jeder Patient von uns einen Hörschutz, und wir können auch Musik einspielen – je nach Geschmack des Patienten. Unsere Mitarbeiterinnen haben permanenten Sichtkontakt und können auch mit den Patienten kommunizieren. Nach etwa 2/3 der Zeit spritzen wir ein gut verträgliches Kontrastmittel.

Nach der Untersuchung besprechen wir direkt die wesentlichen Dinge. Dabei zeige ich dem Patienten die Bilder und erkläre, was wir uns ansehen. Viele wissen logischerweise gar nicht, wie das aussieht – und das versuche ich zu erklären, damit die Patienten einen Eindruck gewinnen, wo die Prostata liegt und wie man da im Zweifel drankommt, wenn man eine Biopsie macht. Danach klassifizieren wir die Bilder. Der Urologe bekommt den Bericht, und bei uns erhalten die Patienten davon auch eine Durchschrift.

Selten leiden Patienten unter Platzangst. Hier können unseren Mitarbeiterinnen in der Regel weiterhelfen. Bei starker Platzangst können wir auch Medikamente zusätzlich geben, was aber selten erforderlich ist.“

Zur Person

Dr. med. Steidle wurde in Düren geboren und ging auch dort zur Schule. Nach Ableistung des Wehrdienstes in Geilenkirchen begann er zunächst ein Studium der Physik in Aachen. Er studierte bis 1995 Humanmedizin in Köln und wechselte dann für das AIP nach Essen, Elisabeth-Krankenhaus Innere Medizin.

 

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Strahlentherapie in den Kliniken des Märkischen Kreises in Lüdenscheid wechselte er 1998 zur Weiterbildung im Fachgebiet Diagnostische Radiologie in die Kliniken der Stadt Köln, Holweide. 2000 erfolgte der Wechsel in das Institut für Radiologische Diagnostik des Lukaskrankenhauses Neuss. 2002 erfolgte die Anerkennung als Facharzt für Diagnostische Radiologie, und 2003 wurde er zum Oberarzt ernannt.

Seit 2006 ist er in der Praxisgemeinschaft für Radiologie und Nuklearmedizin in Heinsberg niedergelassen. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die Schnittbilddiagnostik, das Prostata-MRT und die CT-gesteuerte Schmerztherapie. Er besitzt die höchste Qualitätsstufe Q2 der Prostata-MRT-Bildgebung und -Befundung mit Kassenzulassung und ist seit 2024 ist er auch zertifizierter Befunder für das Lungenkrebsscreening nach ESTI und seit 2025 Q2 zertifiziert für das Lungenkrebsscreening nach DRG.

Unsere Interviewreihe mit Dr. Steidle

Teil  1: „Der PSA-Wert allein reicht nicht aus“
Teil 2: „Mit einem MRT sind wir treffsicherer“

 

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