Rauchfrei im Mai: Warum der Rauchstopp auch der Harnblase guttut

Jedes Jahr im Mai ruft das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) Raucherinnen und Raucher dazu auf, einen Monat lang auf Zigaretten zu verzichten. Die Aktion „Rauchfrei im Mai“ setzt auf ein einfaches Prinzip: 31 Tage ohne Tabak und wer durchhält, hat gute Chancen, dauerhaft rauchfrei zu bleiben. Dass davon vor allem Lunge und Herz profitieren, ist weithin bekannt. Weniger präsent ist ein Zusammenhang, der in urologischen Praxen täglich eine Rolle spielt: Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für das Urothelkarzinom der Harnblase.

Was steckt hinter „Rauchfrei im Mai“?

„Rauchfrei im Mai“ ist eine bundesweite Mitmach-Aktion des BIÖG (vormals BZgA). Teilnehmende verpflichten sich, den Mai komplett ohne Zigarette, E-Zigarette oder andere Tabakprodukte zu verbringen. Flankiert wird die Aktion durch kostenlose Angebote wie die rauchfrei-App, eine persönliche Telefonberatung und ein strukturiertes Online-Ausstiegsprogramm.

Der Monat ist mit Bedacht gewählt. Wer vier Wochen durchhält, hat seine körperliche Nikotinabhängigkeit meist deutlich hinter sich gelassen, und die Wahrscheinlichkeit eines langfristigen Ausstiegs steigt erheblich. Viele Teilnehmende berichten darüber hinaus von besserem Schlaf, zurückkehrendem Geschmacks- und Geruchssinn und einem merklich volleren Geldbeutel am Monatsende.

Tabakrauch und Harnblase: Was im Körper passiert

Dass Zigarettenrauch krebserregend ist, hat sich längst herumgesprochen. Wie direkt diese Wirkung bis in die Harnblase reicht, ist dagegen vielen nicht klar. Im Tabakrauch stecken über 70 nachweislich krebserregende Substanzen, darunter aromatische Amine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese Stoffe gelangen über die Lunge ins Blut und werden von den Nieren mit dem Urin ausgeschieden. In der Harnblase, wo der Urin stundenlang gespeichert wird, entsteht ein langer, enger Kontakt mit der Schleimhaut. Genau dort setzt die krebsauslösende Wirkung ein.

Je länger und intensiver geraucht wird, desto höher das Risiko. Raucherinnen und Raucher erkranken etwa zwei- bis viermal häufiger am Urothelkarzinom als Menschen, die nie geraucht haben. Nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut geht rund die Hälfte aller Blasenkrebserkrankungen in Deutschland auf das Konto des Rauchens.

Urothelkarzinom: Zahlen, Symptome, Warnzeichen

In Deutschland erkranken jährlich rund 30.000 Menschen neu an einem Harnblasenkarzinom, Männer etwa dreimal so häufig wie Frauen. Damit zählt der Blasenkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen überhaupt und bleibt oft lange unbemerkt.

Ein erstes, typisches Warnzeichen ist sichtbares Blut im Urin, die sogenannte Makrohämaturie. Häufig tritt sie schmerzlos und manchmal nur einmalig auf, was viele Betroffene fälschlich als harmlos einstufen. Weitere mögliche Hinweise sind häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen oder unklare Unterbauchbeschwerden. Solche Symptome lassen sich nicht immer eindeutig zuordnen; gerade deshalb sollten sie urologisch abgeklärt werden, vor allem bei aktuellen oder ehemaligen Raucherinnen und Rauchern.

Warum sich der Rauchstopp auch für die Harnblase lohnt

Der Verzicht auf Tabak wirkt sich schneller aus, als viele vermuten. Bereits wenige Jahre nach dem Rauchstopp sinkt das Risiko für ein Urothelkarzinom messbar, auch wenn es das Niveau von Menschen, die nie geraucht haben, nicht vollständig erreicht. Noch entscheidender ist der Nutzen in der Nachsorge: Wer nach einer Blasenkrebs-Therapie weiterraucht, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für ein Wiederauftreten und für ein Fortschreiten der Erkrankung. Umgekehrt verbessert ein konsequenter Rauchstopp die Prognose. Ein Punkt, den auch die aktuelle S3-Leitlinie zum Harnblasenkarzinom ausdrücklich hervorhebt.

Aus urologischer Sicht ist „Rauchfrei im Mai“ damit mehr als eine allgemeine Gesundheitsaktion. Für viele Betroffene ist der Mai der Einstieg in ein dauerhaft rauchfreies Leben und in ein messbar niedrigeres Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken oder einen Rückfall zu erleiden.

Unterstützung bei der Tabakentwöhnung

Aufhören ist leichter gesagt als getan. Das BIÖG stellt mit Telefonberatung, Ausstiegsprogramm und App kostenfreie Hilfe bereit, der Weg lässt sich aber auch urologisch begleiten. In der Sprechstunde sehen wir regelmäßig, welche Folgen jahrelanger Tabakkonsum für Harnblase und ableitende Harnwege haben kann. Gern unterstützen wir Sie beim Rauchstopp. Sei es zum Auftakt von „Rauchfrei im Mai“, bei Beschwerden im Bereich der Harnwege oder im Rahmen einer urologischen Nachsorge. Sprechen Sie uns an. Manchmal ist ein Termin in der Praxis der entscheidende erste Schritt.

Weitere Informationen und Quellennachweis

Bild: Iakobchuk / Envato

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