Mit den ersten richtig heißen Tagen des Jahres beginnt in urologischen Praxen eine berechenbare Saison: die der Nierensteine. Sommer für Sommer steigt die Zahl der Harnsteinerkrankungen spürbar an, und der Grund liegt meist nicht auf dem Teller, sondern im Glas. Wer bei Hitze zu wenig trinkt, schafft genau die Bedingungen, unter denen sich Nierensteine bilden. Das Gute daran: Kaum ein urologisches Risiko lässt sich so einfach senken wie dieses. Aber wie hängen Hitze, Trinkmenge und Steinbildung eigentlich zusammen, und was können Sie konkret tun?
Warum der Sommer zur Risikozeit für Nierensteine wird
An heißen Tagen verliert der Körper einen großen Teil der aufgenommenen Flüssigkeit über Schwitzen und Atmung. Wer das nicht durch zusätzliches Trinken ausgleicht, scheidet weniger Urin aus, und dieser wird dadurch konzentrierter. Im konzentrierten Urin liegen Salze wie Calciumoxalat in höherer Dichte vor. Übersteigt ihre Konzentration einen bestimmten Punkt, kristallisieren sie aus und bilden den Kern, aus dem ein Stein wächst. Der berüchtigte Nierenstein.
Genau deshalb häufen sich Harnsteine in den Sommermonaten. Etwa jeder zwanzigste Mensch in Deutschland ist im Lauf des Lebens betroffen, Männer häufiger als Frauen, mit einem Häufigkeitsgipfel zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahrzehnt. Wer bereits einmal einen Nierenstein hatte, sollte besonders aufmerksam sein: Mit jedem Steinereignis steigt das Risiko für einen weiteren deutlich an.
Wie viel Sie trinken sollten – und woran Sie es erkennen
Die Fachgesellschaften empfehlen gesunden Erwachsenen zur Vorbeugung eine Trinkmenge von rund 2,5 bis 3 Litern pro Tag, gleichmäßig über den Tag verteilt. An heißen Tagen oder bei körperlicher Anstrengung darf es deutlich mehr sein. Sinnvoll ist es, regelmäßig kleine Mengen zu trinken, statt erst bei starkem Durst zur großen Flasche zu greifen, denn Durst ist bereits ein spätes Signal des Körpers.
Einen verlässlichen Anhaltspunkt liefert der Urin selbst. Eine helle, blassgelbe Färbung zeigt, dass Sie ausreichend trinken; ein dunkler, intensiv gelber Urin ist ein Warnzeichen für Flüssigkeitsmangel. Bei der Getränkewahl müssen es keine teuren Mineralwässer sein: Leitungswasser und ungesüßte Tees eignen sich genauso gut. Verzichten sollten Sie dagegen auf zuckerhaltige Limonaden, da diese die Steinbildung eher fördern.
Was außer Trinken noch vor Nierensteinen schützt
Trinken ist der wichtigste Hebel, aber nicht der einzige. Auch die Ernährung beeinflusst, wie leicht sich Steine bilden. Eine kochsalzarme, überwiegend pflanzlich betonte Kost wirkt der Steinbildung entgegen. Tierisches Eiweiß aus Fleisch und Wurst sollte in Maßen bleiben, da große Mengen den Urin ansäuern und damit manche Steinarten begünstigen.
Bei der häufigsten Steinart, dem Calciumoxalatstein, lohnt sich zusätzlich ein Blick auf besonders oxalatreiche Lebensmittel wie Spinat, Rhabarber, Mangold, Nüsse und Kakao. Sie ganz zu streichen ist nicht nötig, ein bewusster Umgang genügt. Hinzu kommen zwei Faktoren, die oft unterschätzt werden: Übergewicht und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko, während regelmäßige Bewegung und ein gesundes Körpergewicht es senken.
Wann Sie aufmerksam werden sollten
Solange ein Stein in der Niere liegt, verursacht er häufig keine Beschwerden und bleibt unbemerkt. Wandert er jedoch in den Harnleiter, kann er eine Kolik auslösen: einen plötzlichen, krampfartigen Schmerz in der Flanke, der bis in den Unterbauch oder die Leiste ausstrahlt. Begleitend treten manchmal Übelkeit, Blut im Urin oder ein ausgeprägter Bewegungsdrang auf.
Solche Schmerzen gehören rasch ärztlich abgeklärt, ebenso wie sichtbares Blut im Urin. Und wer schon einmal einen Stein hatte, profitiert von einer gezielten Vorbeugung: Lässt man einen abgegangenen Stein analysieren, kann die Prophylaxe passgenau auf die jeweilige Steinart abgestimmt werden.
Wir unterstützen Sie bei der Vorbeugung
In der warmen Jahreszeit ist die Vorbeugung von Nierensteinen kein großer Aufwand, sondern oft eine Frage weniger Gewohnheiten. Wenn Sie unsicher sind, wie viel und was Sie trinken sollten, schon einmal einen Stein hatten oder Beschwerden bemerken, beraten wir Sie gern. Wir klären Ihr persönliches Risiko und besprechen, welche Vorbeugung zu Ihnen passt. Sprechen Sie uns an
Weitere Informationen und Quellennachweis
- „S2k-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis“ (AWMF-Registernummer 043-025) der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), veröffentlicht über die AWMF (abgerufen am 17. Juni 2026)
- „Sommerkrankheit Harnsteine“ auf der Website des Urologenportals der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BvDU) (abgerufen am 17. Juni 2026)
- „Nierensteine und Harnleitersteine“ auf der Website gesundheitsinformation.de des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (abgerufen am 17. Juni 2026)
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